Das Wichtigste auf einen Blick
- Kaltakquise ist der erste, unaufgeforderte Kontakt mit einem Unternehmen, das Sie noch nicht kennt. Ziel ist ein Gespräch oder Termin, nicht der Abschluss im ersten Kontakt.
- Die Kanäle sind Telefon, E-Mail, Brief, persönlicher Besuch und Nachrichten in beruflichen Netzwerken. Welcher erlaubt ist, hängt vom Land und vom Kanal ab.
- In Deutschland ist der Anruf bei Unternehmen mit mutmaßlicher Einwilligung zulässig, die Werbe-E-Mail braucht eine vorherige ausdrückliche Einwilligung (§ 7 Abs. 2 UWG). Österreich verlangt für Anruf und E-Mail eine vorherige Einwilligung (§ 174 TKG 2021).
- Der Erfolg entscheidet sich vor dem ersten Kontakt: an einer engen Zielgruppe, einer sauberen Zielliste und einem konkreten Anlass für jedes Unternehmen.
- Messen Sie vier Quoten: Erreichbarkeit, Gesprächsquote, Terminquote und Abschlussquote. Erst mit eigenen Zahlen lässt sich der Aufwand pro Neukunde planen.
Kaltakquise ist die erste Kontaktaufnahme mit einem möglichen Kunden, der Sie weder kennt noch von sich aus angefragt hat. Im B2B sprechen Sie dabei Unternehmen an, meist per Telefon, Brief oder E-Mail, mit dem Ziel, ein Gespräch oder einen Termin zu vereinbaren. Welche Kanäle erlaubt sind, regeln Deutschland, Österreich und die Schweiz unterschiedlich. Dieser Leitfaden erklärt den Begriff, vergleicht die Kanäle für alle drei Länder, zeigt den Ablauf von der Zielliste bis zum Termin und nennt die Kennzahlen, mit denen Sie Kaltakquise planbar machen.
Was ist Kaltakquise? Definition und Abgrenzung
Der Begriff setzt sich aus „kalt“ und „Akquise“ zusammen. Akquise bezeichnet im Vertrieb jede Tätigkeit, mit der ein Unternehmen neue Kunden oder Aufträge gewinnt. Einen Überblick über die verschiedenen Formen gibt der Beitrag Was Akquise bedeutet und welche Arten es gibt. „Kalt“ beschreibt den Zustand der Beziehung: Es gab bisher keinen Kontakt, keine Anfrage und keine Empfehlung. Der Angesprochene rechnet nicht mit Ihrer Nachricht.
Im B2B richtet sich Kaltakquise an Unternehmen, Selbstständige, Praxen, Kanzleien oder Behörden. Sie sprechen also nicht Privatpersonen an, sondern Menschen in ihrer beruflichen Rolle: die Geschäftsführung eines Malerbetriebs, die Einkaufsleitung eines Maschinenbauers, den Inhaber einer Steuerkanzlei. Die Unterscheidung zählt, weil das Recht Unternehmen bei manchen Kanälen weniger streng schützt als Verbraucher.
Kaltakquise, Warmakquise und Leadgenerierung
Bei der Warmakquise besteht bereits eine Verbindung: eine Anfrage über die Website, ein Gespräch auf einer Messe, ein früheres Angebot oder eine Empfehlung. Die Leadgenerierung ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die Kontakte mit möglichem Kaufinteresse erzeugen, von Suchmaschinenwerbung über Fachbeiträge bis zum Anruf. Wie sich diese Wege kombinieren lassen, zeigt der Überblick zu Strategien und Kanälen der B2B-Leadgenerierung. Kaltakquise gehört zum Outbound: Sie gehen aktiv auf Unternehmen zu, statt zu warten, bis diese Sie finden.
Was Kaltakquise nicht ist
Kaltakquise ist kein Massenversand und kein Verkaufsgespräch mit Abschlussdruck. Gute Kaltakquise wählt wenige, passende Unternehmen aus, hat für jedes einen nachvollziehbaren Grund für den Kontakt und strebt einen kleinen nächsten Schritt an: ein Gespräch von 20 Minuten, die Zusendung einer Unterlage nach Zustimmung, die Weiterleitung an die zuständige Person. Wer schon im ersten Anruf verkaufen will, beendet das Gespräch meist selbst, bevor der Bedarf überhaupt geklärt ist.
Wann sich Kaltakquise lohnt
Kaltakquise kostet Zeit pro Kontakt. Sie lohnt sich deshalb vor allem, wenn ein einzelner Kunde viel wert ist und sich die Zielgruppe klar abgrenzen lässt. Typische Fälle sind:
- Leistungen mit wiederkehrendem Umsatz, etwa Wartungsverträge, Software, Unterhaltsreinigung oder laufende Beratung.
- Erklärungsbedürftige Angebote, nach denen Interessenten selten aktiv suchen, weil sie das Problem oder die Lösung noch nicht kennen.
- Der Eintritt in eine neue Region oder Branche, in der Sie noch niemand kennt.
- Junge Unternehmen, die noch kein Empfehlungsnetz haben.
Weniger geeignet ist Kaltakquise, wenn der Auftragswert sehr klein ist, die Zielgruppe aus Tausenden austauschbaren Kleinstkunden besteht oder Ihr Angebot ohnehin aktiv gesucht wird. Dann bringen Suchmaschinen, Plattformen oder Empfehlungen meist mehr pro eingesetzter Stunde. Die folgende Tabelle hilft bei der Einordnung.
| Kriterium | Spricht für Kaltakquise | Spricht dagegen |
|---|---|---|
| Wert eines Kunden | Hoch, oft über mehrere Jahre | Gering, einmaliger Kleinauftrag |
| Zielgruppe | Klar abgrenzbar nach Branche, Region und Größe | Diffus, kaum zu filtern |
| Nachfrage | Bedarf ist vorhanden, wird aber selten gesucht | Kunden suchen aktiv nach der Lösung |
| Erklärungsbedarf | Hoch, ein Gespräch hilft beim Verstehen | Gering, ein Preis genügt |
| Vertriebszeit | Feste Zeitblöcke pro Woche sind möglich | Niemand hat regelmäßig Zeit |
Die Kanäle der Kaltakquise im Vergleich
Jeder Kanal hat eigene Stärken, eigene Kosten und eigene Regeln. In der Praxis kombinieren erfolgreiche Teams zwei oder drei Kanäle in einer festen Reihenfolge, statt sich auf einen zu verlassen.
Telefon
Das Telefon ist der direkteste Kanal. Sie erfahren in wenigen Minuten, ob Bedarf besteht, und können auf Fragen und Einwände sofort reagieren. Der Nachteil: Entscheider sind schwer erreichbar, das Vorzimmer filtert, und viele Anwahlen enden ohne Gespräch. Wie Sie ein Telefonat vorbereiten und aufbauen, beschreibt der Leitfaden zur Telefonakquise mit Beispielsätzen.
Die E-Mail ist günstig und lässt sich beliebig vervielfältigen. Genau deshalb ist sie streng reguliert. In Deutschland und Österreich braucht Werbung per E-Mail auch gegenüber Unternehmen eine vorherige Einwilligung. Im Neukundengeschäft eignet sich die E-Mail deshalb vor allem als zweiter Schritt, nachdem der Empfänger im Gespräch zugestimmt hat. Welche Ausnahmen es gibt und wie die Schweiz es regelt, erklärt der Beitrag Kaltakquise per E-Mail: was erlaubt ist und wie sie funktioniert.
Brief
Der adressierte Werbebrief an ein Unternehmen ist in allen drei Ländern grundsätzlich zulässig, solange der Empfänger nicht erkennbar widersprochen hat. Ein Brief wird seltener übersehen als eine E-Mail, kostet aber mehr pro Kontakt und hat keinen direkten Rückkanal. Gut funktioniert er als Ankündigung eines Anrufs oder mit einem klaren, einfachen Antwortweg, etwa einer Durchwahl und einer Person, die tatsächlich abhebt.
Persönlicher Besuch
Der unangekündigte Besuch wirkt im lokalen Geschäft: beim Handwerksbetrieb, im Einzelhandel, in der Gastronomie, bei Praxen mit offenem Empfang. Für Büros mit Empfang und festen Terminen ist er wenig sinnvoll. Er bindet viel Zeit, lohnt sich aber, wenn Sie ohnehin vor Ort sind und Ihr Angebot etwas zum Zeigen hat, etwa ein Muster, eine Probe oder ein Vorher-nachher-Beispiel.
LinkedIn und andere berufliche Netzwerke
Nachrichten über berufliche Netzwerke sind persönlich und erreichen Entscheider teils ohne Vorzimmer. Ob solche Nachrichten rechtlich als elektronische Post gelten, ist nicht abschließend geklärt. Sicher ist der Weg, zuerst Kontakt und Austausch zu suchen und das Angebot erst zu nennen, wenn das Gegenüber Interesse zeigt. Wer ungefragt Werbetexte an Kontaktanfragen hängt, riskiert neben rechtlichem Ärger vor allem Sperren durch die Plattform.
| Kanal | Deutschland | Österreich | Schweiz | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Telefon | Zulässig bei mutmaßlicher Einwilligung (§ 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG) | Nur mit vorheriger Einwilligung (§ 174 Abs. 1 TKG 2021) | Zulässig, außer bei Sterneintrag oder ohne Verzeichniseintrag (Art. 3 Abs. 1 lit. u UWG) | Schnelle Klärung des Bedarfs |
| Nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung (§ 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG) | Nur mit vorheriger Einwilligung (§ 174 Abs. 3 TKG 2021) | Massenwerbung nur mit Einwilligung (Art. 3 Abs. 1 lit. o UWG) | Günstig, gut als Folgekontakt | |
| Brief | Grundsätzlich zulässig, Widerspruch beachten | Grundsätzlich zulässig, Widerspruch beachten | Grundsätzlich zulässig, Widerspruch beachten | Hohe Aufmerksamkeit |
| Besuch | Grundsätzlich zulässig | Grundsätzlich zulässig | Grundsätzlich zulässig | Persönlich, lokal stark |
| Netzwerk-Nachricht | Umstritten, vorsichtig wie E-Mail behandeln | Umstritten, vorsichtig wie E-Mail behandeln | Bei Massenversand Einwilligung nötig | Direkter Draht zur Person |
Rechtsrahmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Kürze
Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Für Kaltakquise gelten zwei Ebenen nebeneinander: das Wettbewerbsrecht, das regelt, über welchen Kanal Sie werben dürfen, und das Datenschutzrecht, das regelt, wie Sie personenbezogene Daten dafür verarbeiten.
Deutschland
Maßgeblich ist § 7 UWG. Ein Werbeanruf bei einem Unternehmen ist zulässig, wenn zumindest eine mutmaßliche Einwilligung vorliegt. Die Rechtsprechung verlangt dafür einen konkreten, sachlichen Bezug zwischen Ihrem Angebot und dem Geschäft des Angerufenen. Dass ein Angebot für fast jede Firma nützlich sein könnte, etwa günstigere Stromtarife, genügt in der Regel nicht. Werbung per E-Mail braucht dagegen eine vorherige ausdrückliche Einwilligung, auch gegenüber Unternehmen. Briefwerbung ist erlaubt, solange der Empfänger nicht erkennbar widersprochen hat.
Österreich
§ 174 TKG 2021 (bis 2021 war es § 107 TKG) verlangt für Werbeanrufe und für Werbe-E-Mails eine vorherige Einwilligung, und zwar auch gegenüber Unternehmen. Eine mutmaßliche Einwilligung wie in Deutschland kennt das österreichische Recht nicht. Kalter Erstkontakt läuft in Österreich deshalb üblicherweise per Brief, persönlich oder auf Messen, und der Anruf folgt erst, wenn das Unternehmen zugestimmt hat.
Schweiz
Das Schweizer UWG erlaubt Werbeanrufe bei Unternehmen grundsätzlich. Unlauter ist der Anruf, wenn der Anschluss im Telefonverzeichnis mit einem Stern als werbeunwillig markiert ist oder gar nicht im Verzeichnis steht (Art. 3 Abs. 1 lit. u UWG). Massenwerbung per E-Mail ohne vorherige Einwilligung ist nach Art. 3 Abs. 1 lit. o UWG unlauter, ebenso ohne korrekte Absenderangabe und ohne einfache, kostenlose Abmeldemöglichkeit.
Datenschutz
In Deutschland und Österreich gilt zusätzlich die DSGVO, sobald Sie Daten einer bestimmbaren Person verarbeiten, etwa den Namen des Geschäftsführers. Rechtsgrundlage ist meist das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Erwägungsgrund 47 nennt Direktwerbung ausdrücklich als möglichen Fall. Nach Art. 14 DSGVO informieren Sie die Person spätestens beim ersten Kontakt, unter anderem darüber, woher Sie die Daten haben. Widerspricht sie nach Art. 21 DSGVO, ist die Werbung an sie sofort einzustellen. Die Schweiz hat mit dem revidierten Datenschutzgesetz eigene, ähnliche Regeln.
Die Unterschiede zwischen den drei Ländern mit allen Ausnahmen behandelt der Beitrag Ist Kaltakquise erlaubt? Die Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Speziell um Werbebriefe und Mailings geht es in was DSGVO und UWG bei B2B-Mailings erlauben.
Der Ablauf: Von der Zielliste bis zum Termin in sieben Schritten
Kaltakquise scheitert selten am Telefonat selbst, sondern an dem, was davor fehlt. Die folgenden sieben Schritte bilden einen Ablauf, den Sie jede Woche wiederholen können.
Schritt 1: Zielkunden genau beschreiben
Beschreiben Sie das Unternehmen, das am meisten von Ihrem Angebot hat, so konkret wie möglich: Branche, Region, Größe, Rechtsform, eingesetzte Technik und ein Auslöser, der Bedarf wahrscheinlich macht. „Mittelstand in Bayern“ ist zu grob. „Steuerkanzleien mit 5 bis 20 Mitarbeitern in Oberbayern, deren Website kein Online-Terminbuchungssystem hat“ ist eine Zielgruppe, für die Sie einen Satz formulieren können, der sofort passt. Schauen Sie dazu auf Ihre besten Bestandskunden: Was haben sie gemeinsam, und warum haben sie gekauft?
Schritt 2: Die Zielliste aufbauen
Die Zielliste enthält jedes Unternehmen, das Sie ansprechen wollen, mit Firmenname, Website, Anschrift, zentraler Telefonnummer und, wo veröffentlicht, Geschäftsführung und allgemeiner E-Mail-Adresse. Quellen sind das Impressum der Firmenwebsite, Handelsregister und Firmenbuch, Branchenverzeichnisse, Kammern und Verbände sowie B2B-Datenbanken. Halten Sie fest, woher jeder Datensatz stammt. Das brauchen Sie für die Information nach Art. 14 DSGVO und für spätere Auskunftsanfragen.
Eine Datenbank spart hier die meiste Zeit. LeadSuche zum Beispiel enthält Firmendatensätze aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die aus den Websites und Impressumsseiten der Unternehmen selbst stammen. Sie filtern nach Land, Stadt, PLZ, Branche, Rechtsform, Kontaktverfügbarkeit und Bewertungen wie Kaufbereitschaft oder digitaler Reife. Suche und Trefferzahl sind kostenlos, und Sie schalten nur die Unternehmen frei, die Sie ansprechen wollen. Sie können Firmen nach Branche und Stadt filtern und mit 50 Credits zum Start testen, ob die Treffer zu Ihrer Zielgruppe passen. Für Branchen wie Steuerberater oder IT-Dienstleister sehen Sie die Zahl der Datensätze auf der jeweiligen Branchenseite. Wann sich eine solche Datenbank statt einer gekauften Liste lohnt, beschreibt der Beitrag Firmendaten selbst durchsuchen statt Liste kaufen.
Schritt 3: Jedes Unternehmen kurz recherchieren
Planen Sie zwei bis fünf Minuten pro Unternehmen ein, bevor Sie Kontakt aufnehmen. Prüfen Sie die Website: Was bietet das Unternehmen an, wer leitet es, gibt es Stellenanzeigen, neue Standorte, ein neues Produkt? Notieren Sie einen konkreten Anlass in einem Satz. Ohne Anlass klingt jeder Anruf wie jeder andere, mit Anlass wird er zu einem Gespräch über die Situation des Gegenübers.
Schritt 4: Botschaft und Gesprächsleitfaden festlegen
Formulieren Sie für jede Zielgruppe einen Einstieg, zwei bis drei Fragen zum Bedarf, einen Nutzen in einem Satz und ein klares Ziel für den Kontakt. Halten Sie das in einem Leitfaden fest, nicht in einem wörtlichen Skript. Der Leitfaden gibt Struktur, das Gespräch bleibt natürlich. Bereiten Sie die drei häufigsten Einwände vor, die Sie in Ihrer Branche hören.
Schritt 5: Kontakt aufnehmen, in festen Blöcken
Akquise, die „zwischendurch“ passiert, findet nicht statt. Reservieren Sie feste Zeitblöcke von 60 bis 90 Minuten, in denen Sie nur Kontakte aufnehmen, ohne E-Mails zu lesen oder Angebote zu schreiben. Arbeiten Sie die Liste der Reihe nach ab und notieren Sie nach jedem Kontakt sofort das Ergebnis.
Schritt 6: Mit Plan nachfassen
Ein Unternehmen wird selten beim ersten Versuch erreicht. Legen Sie fest, wie oft und in welchem Abstand Sie es versuchen und über welchen Kanal. Eine Beispielfolge für Deutschland, die die Kanalregeln einhält:
- Tag 1: Anruf mit konkretem Anlass, bei Nichterreichen kurze Notiz im CRM.
- Tag 3: zweiter Anruf zu einer anderen Tageszeit.
- Tag 5: Brief an die Geschäftsführung mit Bezug auf den Anlass und Ankündigung eines Anrufs.
- Tag 10: dritter Anruf mit Bezug auf den Brief.
- Nach dem Gespräch: E-Mail mit Unterlagen, wenn der Gesprächspartner zugestimmt hat.
Nach dem dritten erfolglosen Versuch setzen Sie das Unternehmen auf Wiedervorlage in drei bis sechs Monaten, statt es weiter zu bedrängen.
Schritt 7: Termin, Übergabe und Dokumentation
Bestätigen Sie jeden Termin mit Datum, Uhrzeit, Teilnehmern und Thema. Halten Sie im CRM fest, was Sie im Gespräch erfahren haben, damit der Termin nicht bei null beginnt. Dokumentieren Sie auch Absagen und Widersprüche: Ein Unternehmen, das keine Werbung mehr wünscht, kommt auf eine Sperrliste, die bei jeder neuen Zielliste abgeglichen wird.
Kennzahlen: Kaltakquise planbar machen
Ohne Zahlen bleibt Kaltakquise ein Gefühl. Mit vier einfachen Quoten sehen Sie, an welcher Stelle Ihr Ablauf hakt, und können vorhersagen, wie viele Kontakte Sie für ein Ziel brauchen.
| Kennzahl | Berechnung | Was sie zeigt |
|---|---|---|
| Erreichbarkeit | Unternehmen mit Entscheidergespräch ÷ angesprochene Unternehmen | Qualität der Zielliste und der Kontaktzeiten |
| Gesprächsquote | Gespräche mit Bedarfsklärung ÷ erreichte Entscheider | Wirkung von Einstieg und Anlass |
| Terminquote | Vereinbarte Termine ÷ Gespräche mit Bedarfsklärung | Passung von Angebot und Zielgruppe |
| Abschlussquote | Aufträge ÷ durchgeführte Termine | Stärke von Termin und Angebot |
| Versuche pro Unternehmen | Kontaktversuche ÷ angesprochene Unternehmen | Aufwand pro Datensatz |
Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Ein Dienstleister möchte vier Neukunden pro Quartal gewinnen. Angenommen wird, dass jeder vierte Termin zu einem Auftrag führt, dass aus jedem fünften Gespräch mit Bedarfsklärung ein Termin entsteht und dass bei jedem dritten Unternehmen auf der Liste ein solches Gespräch zustande kommt. Dann braucht er 16 Termine, dafür 80 Gespräche und dafür 240 Unternehmen auf der Zielliste. Bei durchschnittlich drei Versuchen pro Unternehmen sind das 720 Kontaktversuche, über 13 Wochen also rund 55 pro Woche. Die Werte sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine Branchenwerte. Ersetzen Sie sie nach den ersten Wochen durch Ihre eigenen.
Die Rechnung zeigt auch, wo sich Verbesserung lohnt. Steigt die Erreichbarkeit durch eine bessere Zielliste von jedem dritten auf jedes zweite Unternehmen, sinkt die nötige Listengröße im Beispiel von 240 auf 160. Eine bessere Liste spart also mehr Zeit als schnelleres Wählen.
Typische Fehler in der Kaltakquise
Die meisten Fehler wiederholen sich in fast jedem Vertriebsteam. Wer sie kennt, kann sie gezielt vermeiden.
- Zu breite Zielgruppe: Wer „alle Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern“ anspricht, hat keinen Satz, der für alle passt, und klingt beliebig.
- Kein Anlass: Ein Anruf ohne Bezug zur Situation des Gegenübers wird als Störung empfunden und schnell beendet.
- Verkaufen statt fragen: Wer in den ersten 30 Sekunden das Produkt erklärt, bekommt ein Nein, bevor der Bedarf klar ist.
- Kanalregeln ignorieren: Die kalte Werbe-E-Mail in Deutschland oder der kalte Werbeanruf in Österreich führen schnell zu Abmahnung oder Beschwerde.
- Aufgeben nach dem ersten Versuch: Ein nicht erreichter Entscheider ist kein Nein. Ohne Nachfassplan verschenken Sie den größten Teil der Liste.
- Nichts dokumentieren: Ohne Notizen fehlen Kennzahlen, Wiedervorlagen gehen verloren, und Widersprüche werden übersehen.
- Akquise nur bei leerem Auftragsbuch: Wer erst anruft, wenn Aufträge fehlen, steht unter Druck und klingt auch so. Regelmäßige Blöcke halten die Pipeline gleichmäßig.
Konkrete Gegenmittel aus dem Vertriebsalltag sammelt der Beitrag 25 Tipps für die Kaltakquise aus der Praxis.
Kaltakquise selbst machen oder auslagern
Viele kleine Unternehmen fragen sich, ob sie die Kaltakquise selbst übernehmen oder an ein Callcenter oder eine Agentur geben. Beides hat seine Berechtigung. Selbst machen lohnt sich, wenn das Angebot erklärungsbedürftig ist und Sie aus jedem Gespräch etwas über Ihren Markt lernen wollen. Gerade in den ersten Wochen ist dieses Wissen wertvoller als die Termine selbst, weil Sie danach Zielgruppe, Botschaft und Preis schärfen können.
Auslagern lohnt sich, wenn Botschaft und Zielgruppe bereits erprobt sind und Ihnen schlicht die Zeit fehlt. Achten Sie dann auf drei Punkte: Der Dienstleister arbeitet mit Ihrer Zielliste oder legt offen, woher seine Daten stammen. Er hält die Kanalregeln des jeweiligen Landes ein, und Sie bleiben als Auftraggeber dafür mitverantwortlich. Und Sie erhalten die Gesprächsnotizen, nicht nur die Zahl der Termine.
Zusammenfassung
Kaltakquise ist der erste Kontakt mit einem Unternehmen, das Sie noch nicht kennt, mit dem Ziel eines Gesprächs oder Termins. Die Kanäle sind Telefon, E-Mail, Brief, persönlicher Besuch und berufliche Netzwerke. In Deutschland ist der Anruf bei Unternehmen mit mutmaßlicher Einwilligung erlaubt, die Werbe-E-Mail nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung. In Österreich brauchen Anruf und E-Mail eine vorherige Einwilligung, in der Schweiz ist der Anruf bei eingetragener Nummer ohne Sterneintrag zulässig und Massenwerbung per E-Mail nur mit Einwilligung. Der Ablauf beginnt mit einer genauen Beschreibung der Zielkunden und einer sauberen Zielliste, geht über die Recherche eines Anlasses je Unternehmen und feste Akquiseblöcke bis zum geplanten Nachfassen und zur Dokumentation. Wer Erreichbarkeit, Gesprächsquote, Terminquote und Abschlussquote misst, kann vom Umsatzziel rückwärts rechnen, wie viele Unternehmen er ansprechen muss.
Häufige Fragen zum Thema
Kaltakquise ist der erste Kontakt mit einem möglichen Kunden, der Sie nicht kennt und nichts angefragt hat. Im B2B sprechen Sie Unternehmen an, meist per Telefon, Brief oder E-Mail. Ziel ist fast immer ein Gespräch oder Termin, nicht der Verkauf im ersten Kontakt.
Das hängt von Land und Kanal ab. In Deutschland ist der Anruf bei einem Unternehmen mit mutmaßlicher Einwilligung zulässig, die Werbe-E-Mail braucht eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. In Österreich brauchen Anruf und E-Mail eine vorherige Einwilligung, in der Schweiz ist der Anruf zulässig, solange die Nummer im Verzeichnis steht und keinen Sterneintrag trägt. Diese Antwort ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
In Deutschland ist für Unternehmen mit erkennbarem Bedarf meist das Telefon der wirksamste erste Kanal, ergänzt durch einen Brief. Die E-Mail eignet sich als zweiter Schritt, wenn der Empfänger im Gespräch zugestimmt hat. In Österreich ist der Brief der übliche Erstkontakt, weil Anruf und E-Mail eine vorherige Einwilligung brauchen.
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, sie hängt von Branche, Angebot und Qualität der Zielliste ab. Messen Sie deshalb Ihre eigenen Quoten über mindestens 100 Unternehmen und rechnen Sie vom Ziel rückwärts: Neukunden, nötige Termine, nötige Gespräche, nötige Unternehmen auf der Liste.
Erste Gespräche entstehen oft schon in der ersten Woche. Belastbare Kennzahlen haben Sie nach einigen Wochen mit festen Akquisezeiten. Bis zum Auftrag vergeht so viel Zeit, wie Ihr üblicher Verkaufsprozess dauert, bei erklärungsbedürftigen Leistungen also eher Wochen oder Monate.
Ja, Callcenter und Agenturen übernehmen Anrufe oder Terminvereinbarung. Sie bleiben als Auftraggeber aber für die Rechtmäßigkeit der Werbung mitverantwortlich. Lassen Sie sich deshalb schriftlich bestätigen, nach welchen Regeln der Dienstleister anruft und wie er Widersprüche dokumentiert.