Das Wichtigste auf einen Blick
- Kundenakquise im B2B ist die planvolle Gewinnung neuer Geschäftskunden, vom ersten Kontakt bis zum ersten Auftrag.
- Methoden lassen sich nach zwei Achsen ordnen: aktiv oder passiv (wer macht den ersten Schritt) und kalt oder warm (gibt es schon eine Beziehung).
- Eine tragfähige Strategie beginnt beim Zielkundenprofil, nicht beim Kanal. Erst wer genau weiß, wen er sucht, kann eine passende Firmenliste aufbauen.
- Der Akquiseplan rechnet vom Umsatzziel rückwärts: Neukunden, Angebote, Termine, Gespräche und Kontaktversuche je Woche.
- Rechtlich unterscheiden sich Deutschland, Österreich und die Schweiz vor allem bei Telefon und E-Mail. Der Werbebrief ist in allen drei Ländern der am wenigsten regulierte Kanal.
Kundenakquise im B2B bedeutet, neue Geschäftskunden planvoll zu gewinnen: Sie bestimmen, welche Unternehmen zu Ihrem Angebot passen, sprechen deren Entscheider über geeignete Kanäle an und führen die Kontakte bis zum ersten Auftrag. Erfolgreich wird Akquise selten durch einen einzelnen Trick, sondern durch drei Dinge: ein scharfes Zielkundenprofil, zwei oder drei Kanäle, die zueinander passen, und einen festen Rhythmus, dessen Ergebnisse Sie messen. Dieser Leitfaden zeigt die Methoden im Überblick, eine Strategie in sieben Schritten, einen Akquiseplan zum Übernehmen und die Kennzahlen, an denen Sie erkennen, wo es hakt.
Was Kundenakquise im B2B von B2C unterscheidet
Wer an Unternehmen verkauft, hat es mit anderen Bedingungen zu tun als im Endkundengeschäft. Die Grundbedeutung des Wortes erklärt der Beitrag Was ist Akquise? Bedeutung, Arten und Beispiele. Für die Praxis im B2B zählen vor allem diese Unterschiede:
- Mehrere Beteiligte: In einem kleinen Betrieb entscheidet oft der Inhaber allein. In größeren Firmen reden Fachabteilung, Einkauf und Geschäftsführung mit. Ihre Ansprache muss den richtigen Menschen erreichen und den anderen Argumente liefern.
- Längere Entscheidungswege: Zwischen Erstkontakt und Auftrag liegen Wochen bis Monate. Akquise ohne Nachfassen verschenkt den größten Teil der Arbeit.
- Kleinere, benennbare Zielmärkte: Im B2B lässt sich die Zielgruppe oft namentlich auflisten, etwa alle Hausverwaltungen in einem Postleitzahlengebiet. Das macht direkte Ansprache planbar.
- Rationale Kriterien: Geschäftskunden kaufen, um ein Problem zu lösen, Kosten zu senken oder Umsatz zu sichern. Ihr Nutzenargument muss in diesen Kategorien formuliert sein.
- Anderer Rechtsrahmen: Für Werbung gegenüber Unternehmen gelten teils lockerere Regeln als gegenüber Verbrauchern, aber keineswegs ein Freibrief, vor allem nicht bei E-Mail.
Methoden der Kundenakquise im Überblick
Die vielen Akquise-Methoden lassen sich auf zwei einfache Fragen zurückführen. Erstens: Wer macht den ersten Schritt? Bei der aktiven Akquise gehen Sie auf den potenziellen Kunden zu, bei der passiven Akquise sorgen Sie dafür, dass er Sie findet und sich meldet. Zweitens: Gibt es schon eine Beziehung? Bei der Kaltakquise kennt der Angesprochene Sie noch nicht, bei der Warmakquise besteht bereits ein Bezugspunkt, etwa eine Empfehlung, ein Messegespräch oder eine frühere Anfrage.
| Ausrichtung | Kalt (keine Beziehung) | Warm (Bezugspunkt vorhanden) |
|---|---|---|
| Aktiv (Sie gehen auf den Kunden zu) | Werbeanruf, Akquisebrief, Besuch vor Ort, E-Mail nur im rechtlichen Rahmen | Empfehlung nachfassen, Messekontakt anrufen, ehemalige Kunden reaktivieren, Netzwerk ansprechen |
| Passiv (der Kunde kommt auf Sie zu) | Suchmaschinen und Fachartikel, Anzeigen, Einträge in Branchenverzeichnissen | Newsletter an Interessenten mit Einwilligung, Webinare, Vorträge, Bewertungen zufriedener Kunden |
Aktive Akquise
Aktive Akquise ist planbar. Sie bestimmen, wen Sie wann ansprechen, und sehen nach wenigen Wochen, ob Ihre Botschaft verfängt. Der Preis dafür ist Zeit: Jeder Kontakt kostet Recherche, Vorbereitung und Nachfassen. Die wichtigsten Kanäle sind Telefon, Brief und der persönliche Besuch. Wie ein Anruf aufgebaut wird, zeigt der Leitfaden zur Telefonakquise mit Gesprächsbeispielen.
Passive Akquise
Passive Akquise baut einen Zufluss an Anfragen auf, der weiterläuft, wenn Sie gerade keine Zeit für Anrufe haben. Dazu gehören Fachartikel, die bei Google gefunden werden, ein gepflegtes Unternehmensprofil, Anzeigen auf Suchbegriffe mit Kaufabsicht und Vorträge bei Verbänden. Der Nachteil: Bis Inhalte ranken oder ein Ruf entsteht, vergehen Monate, und Sie steuern nur bedingt, wer sich meldet.
Kalt und warm kombinieren
In der Praxis wechseln Kontakte von kalt zu warm. Ein Brief macht Ihren Namen bekannt, der Anruf eine Woche später ist dann nicht mehr ganz kalt. Wer auf einer Messe Visitenkarten sammelt, hat warme Kontakte, verliert sie aber, wenn niemand nachfasst. Die stärksten Akquise-Systeme verbinden deshalb einen aktiven Kanal für planbare Termine mit einem passiven Kanal, der Vertrauen aufbaut. Einen ausführlichen Vergleich einzelner Methoden nach Kosten, Aufwand und Rechtsrisiko finden Sie in Neukundenakquise: 15 Methoden im direkten Vergleich.
Der rechtliche Rahmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Bevor Sie Kanäle auswählen, sollten Sie wissen, was in Ihren Zielländern erlaubt ist. Die Unterschiede im DACH-Raum sind größer, als viele annehmen, und betreffen vor allem Telefon und E-Mail. Die folgende Übersicht ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
| Kanal gegenüber Unternehmen | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Werbebrief per Post | Grundsätzlich zulässig, solange der Empfänger nicht erkennbar widersprochen hat (§ 7 Abs. 1 UWG) | Grundsätzlich zulässig, Widerspruch des Empfängers beachten | Grundsätzlich zulässig, Widerspruch des Empfängers beachten |
| Werbeanruf | Zulässig bei zumindest mutmaßlicher Einwilligung (§ 7 Abs. 2 UWG), also bei einem konkreten, vermuteten Interesse | Ohne vorherige Einwilligung unzulässig, auch gegenüber Unternehmen (§ 174 TKG 2021) | Grundsätzlich zulässig, außer der Anschluss trägt einen Sternvermerk gegen Werbung oder steht in keinem Verzeichnis (Art. 3 Abs. 1 lit. u UWG) |
| Werbe-E-Mail | Vorherige ausdrückliche Einwilligung nötig (§ 7 Abs. 2 UWG), Ausnahme für Bestandskunden nach § 7 Abs. 3 UWG | Vorherige Einwilligung nötig (§ 174 TKG 2021), Ausnahme für bestehende Kundenbeziehungen unter engen Voraussetzungen | Massenwerbung ohne Einwilligung unlauter (Art. 3 Abs. 1 lit. o UWG), Ausnahme für eigene Kunden mit Ablehnungshinweis |
Dazu kommt in allen drei Ländern der Datenschutz. Sobald Sie Namen von Ansprechpartnern verarbeiten, brauchen Sie eine Rechtsgrundlage, in der EU meist das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO, das Erwägungsgrund 47 ausdrücklich auch für Direktwerbung nennt. Sie müssen die Betroffenen nach Art. 14 DSGVO informieren und einen Widerspruch nach Art. 21 DSGVO sofort beachten. In der Schweiz gilt statt der DSGVO das Datenschutzgesetz (DSG). Die Einzelheiten je Land erklärt der Beitrag Ist Kaltakquise erlaubt? Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Akquise-Strategie in sieben Schritten
Eine Strategie beantwortet, wen Sie mit welchem Angebot über welche Kanäle wie oft ansprechen. Die folgenden sieben Schritte bauen aufeinander auf. Wer bei Schritt vier beginnt, also beim Kanal, akquiriert meist an der falschen Zielgruppe vorbei.
1. Ziel festlegen
Formulieren Sie ein Ziel, das sich zählen lässt: „Acht neue Wartungsverträge mit Gewerbekunden bis Ende des Quartals“ ist ein Ziel, „mehr Kunden“ nicht. Legen Sie fest, welcher durchschnittliche Auftragswert dahintersteht. Daraus ergibt sich, wie viel Aufwand pro Neukunde wirtschaftlich vertretbar ist.
2. Zielkundenprofil schärfen
Beschreiben Sie das Unternehmen, das am meisten von Ihrem Angebot hat: Branche, Region, Größe, Rechtsform, typische Ausstattung. Werten Sie dazu Ihre besten Bestandskunden aus. Was haben die drei profitabelsten gemeinsam? Halten Sie auch fest, wer nicht passt. Jedes Ausschlusskriterium spart später sinnlose Anrufe.
3. Nutzenargument formulieren
Schreiben Sie in einem Satz auf, welches Problem Sie für genau dieses Zielkundenprofil lösen. Nicht „Wir bieten IT-Service“, sondern „Wir sorgen dafür, dass die Praxissoftware morgens läuft, bevor der erste Patient kommt“. Dieser Satz trägt Ihren Brief, Ihren Gesprächseinstieg und Ihre Website.
4. Kanäle wählen
Wählen Sie zwei bis drei Kanäle, die zu Zielgruppe, Rechtslage und Ihrer Zeit passen. Eine kleine, benennbare Zielgruppe in Deutschland lässt sich gut mit Brief und Telefon erschließen. Eine breite Zielgruppe mit kleinen Aufträgen eher über Suchmaschinen und Anzeigen. In Österreich fällt der kalte Werbeanruf weg, dort tragen Brief, Besuch und passive Kanäle mehr.
5. Zielkundenliste aufbauen
Aus dem Profil wird eine konkrete Liste von Unternehmen mit Ansprechpartner, Telefonnummer und Adresse. Sie können sie selbst aus Firmenwebsites, Branchenverzeichnissen und Registern zusammentragen oder eine B2B-Datenbank nutzen. In LeadSuche etwa filtern Sie Firmen nach Branche, Stadt und Kontaktverfügbarkeit und sehen die Trefferzahl, bevor Sie einen Datensatz freischalten. Für den Einstieg helfen die Branchenübersichten, etwa zu Hausverwaltungen oder Steuerberatern. Woran Sie eine gute Datenquelle erkennen, beschreibt B2B-Datenbank: Firmendaten selbst durchsuchen statt Liste kaufen.
6. Ablauf und Rhythmus festlegen
Legen Sie fest, wie oft und in welcher Reihenfolge ein Unternehmen kontaktiert wird, zum Beispiel: Brief in Woche 1, Anruf in Woche 2, zweiter Anrufversuch in Woche 3, Nachfassen nach dem Gespräch innerhalb von zwei Werktagen. Reservieren Sie feste Zeitblöcke im Kalender. Akquise, die nur in ruhigen Wochen stattfindet, findet in vollen Wochen nicht statt, und genau dann fehlen später die Aufträge.
7. Messen und nachsteuern
Halten Sie jede Aktivität im CRM oder zumindest in einer Tabelle fest. Nach einer vorher festgelegten Zahl von Kontakten werten Sie aus: Wo bricht der Weg ab? Wer viele Gespräche, aber wenige Termine hat, muss am Nutzenargument arbeiten. Wer viele Termine, aber wenige Angebote hat, spricht vermutlich die falschen Unternehmen an.
Akquiseplan: Vorlage für ein Quartal
Der Akquiseplan übersetzt die Strategie in Wochenaufgaben. Er passt auf eine Seite und hängt idealerweise sichtbar am Arbeitsplatz. Übernehmen Sie die folgenden Felder und ersetzen Sie die Beispieleinträge durch Ihre Werte. Die Beispiele sind frei gewählt und beschreiben keinen realen Betrieb.
| Feld | Was hineingehört | Beispiel (frei gewählt) |
|---|---|---|
| Ziel | Zählbares Ergebnis mit Datum | 3 neue Gewerbekunden bis 31.03. |
| Zielkundenprofil | Branche, Region, Größe, Ausschlusskriterien | Hausverwaltungen mit eigenem Büro im Umkreis von 40 km, keine reinen Einzelverwalter |
| Nutzenargument | Ein Satz zum gelösten Problem | Elektroprüfungen nach festem Plan, ein Ansprechpartner für alle Objekte |
| Kanäle | Zwei bis drei, in Reihenfolge | Brief, danach Anruf, danach Besuch beim Termin |
| Zielkundenliste | Anzahl Firmen und Quelle | 240 Firmen aus Datenbank und eigener Recherche |
| Wochenpensum | Kontaktversuche, Briefe, Nachfassaktionen | 20 Briefe, 55 Anrufversuche, alle offenen Angebote nachfassen |
| Feste Zeitblöcke | Tage und Uhrzeiten | Dienstag und Donnerstag, 9–11 Uhr |
| Auswertung | Termin und Kennzahlen | Jeden Freitag 15 Minuten, nach 6 Wochen Quoten prüfen |
Kennzahlen und Rechenbeispiel: der Akquise-Trichter
Akquise lässt sich wie ein Trichter rechnen. Jede Stufe hat eine Quote, und aus den Quoten ergibt sich, wie viele Kontaktversuche Sie für ein Ziel brauchen. Die folgenden Zahlen sind ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten. Ihre eigenen Quoten hängen von Branche, Angebot und Ihrer Erfahrung ab und weichen davon ab. Messen Sie sie in den ersten Wochen selbst.
| Stufe | Angenommene Quote | Benötigte Anzahl im Quartal |
|---|---|---|
| Neukunden | Ziel für das Quartal | 3 |
| Angebote | 1 von 4 Angeboten wird Auftrag | 12 |
| Erstgespräche mit Bedarf | 1 von 2 Gesprächen führt zu einem Angebot | 24 |
| Erreichte Entscheider | 1 von 10 vereinbart ein Erstgespräch | 240 |
| Kontaktversuche | 1 von 3 Versuchen erreicht den Entscheider | 720 |
Bei 13 Wochen im Quartal sind das in diesem Beispiel rund 55 Kontaktversuche pro Woche. Die Rechnung zeigt zwei Hebel: Sie können mehr Versuche machen oder einzelne Quoten verbessern. Steigt im Beispiel die Terminquote von 10 auf 15 Prozent, sinkt der Bedarf auf 160 erreichte Entscheider und 480 Versuche. Gute Zielgruppenauswahl und ein klares Nutzenargument wirken also wie zusätzliche Arbeitszeit.
Die wichtigsten Kennzahlen
- Kontaktversuche pro Woche: zeigt, ob der Plan überhaupt umgesetzt wird.
- Erreichquote: Anteil der Versuche, bei denen Sie den Entscheider sprechen. Niedrig heißt oft: falsche Uhrzeit oder falsche Nummer.
- Terminquote: Anteil der Gespräche, die zu einem Erstgespräch führen. Misst Zielgruppe und Einstieg.
- Angebotsquote und Abschlussquote: messen Bedarfsanalyse und Angebot.
- Dauer bis zum Abschluss: sagt, wann Akquise von heute zu Umsatz wird.
- Kosten pro Neukunde: Zeit, Daten, Porto und Werkzeuge geteilt durch die Zahl der Neukunden. Erst diese Zahl zeigt, ob ein Kanal wirtschaftlich ist.
Beispiele aus der Praxis kleiner Unternehmen und Dienstleister
Die folgenden drei Szenarien sind konstruierte Beispiele. Sie zeigen, wie die Schritte oben in unterschiedlichen Ausgangslagen zusammenspielen.
Elektrobetrieb mit acht Mitarbeitern sucht Gewerbekunden
Der Betrieb lebt von Privatkunden und möchte planbare Aufträge. Zielkundenprofil: Hausverwaltungen und Gewerbeimmobilien im Umkreis, weil dort wiederkehrende Prüfungen anfallen. Kanäle: ein kurzer Brief mit dem Angebot eines festen Prüfplans, eine Woche später ein Anruf, bei Interesse ein Termin vor Ort. In Deutschland ist der Anruf nach dem Brief vertretbar, wenn ein konkreter Bezug zum Geschäft der Hausverwaltung besteht. Die Messgröße ist die Zahl der Vor-Ort-Termine pro Monat.
Solo-Unternehmensberaterin mit Spezialgebiet
Sie berät mittelständische Produktionsbetriebe zu Förderprogrammen. Die Zielgruppe ist klein und gut benennbar, etwa Maschinenbauunternehmen in zwei Bundesländern. Weil ihre Zeit knapp ist, setzt sie auf einen aktiven Kanal mit wenigen, gut vorbereiteten Kontakten und einen passiven Kanal: einen Fachartikel pro Monat zu aktuellen Förderfragen, den sie im Gespräch als Aufhänger nutzt. Wichtiger als die Menge ist hier die Recherche vor jedem Kontakt.
IT-Dienstleister für Praxen und Kanzleien
Ein Team von fünf Personen betreut kleine Netzwerke. Zielkunden sind Zahnarztpraxen und Kanzleien, in denen die Inhaber selbst entscheiden. Weil Praxen tagsüber schwer erreichbar sind, verschiebt das Team die Anrufe in die Randzeiten und nutzt einen Brief mit einer konkreten Checkliste zur Datensicherung als Türöffner. Ergänzend sammelt es Empfehlungen bei bestehenden Kunden, denn Praxisinhaber sind untereinander gut vernetzt.
Kontaktsequenz: ein Ablauf für Deutschland und Österreich
Ein einzelner Kontakt bringt im B2B selten einen Termin. Wirksamer ist eine feste Sequenz aus mehreren Berührungspunkten, die jede Firma auf Ihrer Liste durchläuft. Weil die Rechtslage beim Telefon verschieden ist, sieht dieselbe Sequenz in Deutschland und Österreich unterschiedlich aus. Die folgende Gegenüberstellung ist ein Vorschlag, den Sie an Ihr Angebot anpassen.
| Zeitpunkt | Deutschland | Österreich |
|---|---|---|
| Woche 1 | Persönlich adressierter Brief an den Entscheider mit einem konkreten Anlass | Persönlich adressierter Brief mit Antwortmöglichkeit per Telefon, E-Mail oder Rückantwort |
| Woche 2 | Anruf mit Bezug auf den Brief, sofern ein konkretes, vermutetes Interesse besteht | Kein Werbeanruf ohne vorherige Einwilligung. Stattdessen Besuch vor Ort bei passenden Betrieben oder Kontakt über Verband und Netzwerk |
| Woche 3 | Zweiter Anrufversuch zu einer anderen Tageszeit | Zweiter Brief mit einem anderen Nutzen oder einer Einladung zu einer Veranstaltung |
| Nach einem Gespräch | Zusammenfassung per E-Mail innerhalb von zwei Werktagen, nächster Schritt mit Datum | Zusammenfassung per E-Mail, wenn der Gesprächspartner dem zugestimmt hat |
| Kein Interesse | Vermerk im CRM, bei Widerspruch sofort sperren | Vermerk im CRM, bei Widerspruch sofort sperren |
Der Brief hat in beiden Ländern eine wichtige Rolle: Er ist der am wenigsten regulierte Kanal und macht einen späteren Kontakt weniger kalt. Halten Sie ihn kurz, nennen Sie einen Anlass, der für das Unternehmen relevant ist, und geben Sie eine einfache Möglichkeit zur Antwort. Ein Widerspruch, egal auf welchem Weg er kommt, beendet die Sequenz für diese Firma.
Warme Quellen zuerst ausschöpfen
Viele Unternehmen suchen Neukunden in kalten Listen, bevor sie die Kontakte nutzen, die schon da sind. Dabei sind warme Quellen fast immer günstiger, weil Vertrauen bereits besteht. Prüfen Sie diese fünf Quellen, bevor Sie die erste kalte Liste aufbauen:
- Zufriedene Bestandskunden: Fragen Sie nach einem erfolgreichen Projekt ausdrücklich, wen der Kunde kennt, der vor einer ähnlichen Aufgabe steht. Eine konkrete Frage bringt mehr als die allgemeine Bitte um Weiterempfehlung.
- Ehemalige Kunden: Wer früher bei Ihnen gekauft hat und seit einiger Zeit nichts mehr bestellt, kennt Ihre Arbeit. Ein Anruf oder Brief mit einem neuen Anlass ist hier oft wirksamer als jeder Kaltkontakt.
- Offene und verlorene Angebote: Angebote, die vor Monaten abgelehnt oder nie beantwortet wurden, verdienen eine neue Anfrage. Die Lage des Unternehmens hat sich vielleicht geändert.
- Partner mit gleicher Zielgruppe: Ein Steuerberater, ein Softwarehändler oder ein Handwerksbetrieb, der dieselben Firmen betreut wie Sie, aber etwas anderes anbietet, kann Sie empfehlen und umgekehrt.
- Ihr Netzwerk: Verbände, Unternehmerstammtische und Kammerveranstaltungen sind Orte, an denen aus kalten Kontakten warme werden.
Erst wenn diese Quellen nicht genug Gespräche liefern, ist die kalte Akquise an der Reihe. Dann aber mit vollem Rhythmus und nicht als Lückenfüller.
Werkzeuge für die Kundenakquise
Für eine funktionierende Akquise brauchen kleine Teams keine große Software-Landschaft. Vier Bausteine reichen:
- Datenquelle: eine verlässliche Herkunft für Firmen und Ansprechpartner, ob Eigenrecherche oder Datenbank. Wie Sie dabei an geschäftliche E-Mail-Adressen kommen und wo die Grenzen liegen, beschreibt E-Mail-Adressen von Firmen finden: legale Wege und Werkzeuge.
- CRM oder Kontakttabelle: jede Firma, jeder Kontaktversuch, jedes Ergebnis, mit Datum der nächsten Aktion.
- Vorlagen: Brief, Gesprächsleitfaden, Nachfass-E-Mail nach einem Gespräch, Angebotsvorlage.
- Kalender: feste Akquiseblöcke und Wiedervorlagen, die nicht verschoben werden.
Erst wenn diese Grundlage steht und die Mengen wachsen, lohnen sich spezialisierte Werkzeuge für Sequenzen, Telefonie oder Auswertung.
Typische Fehler in der Kundenakquise
- Mit dem Kanal beginnen statt mit der Zielgruppe. Wer zuerst entscheidet, „wir machen jetzt Kaltakquise“, ruft wahllos an und verbrennt Kontakte.
- Zu früh aufgeben. Nach zwanzig Kontakten lässt sich nichts beurteilen. Legen Sie vorher fest, wann Sie auswerten.
- Nicht nachfassen. Im B2B fällt eine Entscheidung selten im ersten Gespräch. Wer kein zweites und drittes Mal anfragt, überlässt den Auftrag dem Wettbewerber, der es tut.
- Über das eigene Unternehmen statt über das Problem des Kunden reden. Firmengeschichte und Leistungskatalog interessieren erst, wenn der Nutzen klar ist.
- Rechtslage übersehen. Eine Massenmail an gekaufte Adressen ist in Deutschland und Österreich ohne Einwilligung unzulässig und kann Abmahnungen nach sich ziehen.
- Nichts messen. Ohne Zahlen bleibt nur das Bauchgefühl, und das hält einen schlechten Tag am Telefon schnell für einen schlechten Kanal.
Wie es nach dem ersten Kontakt weitergeht
Kundenakquise endet nicht mit dem vereinbarten Termin. Im Erstgespräch klären Sie Bedarf, Entscheidungsweg und Zeitrahmen. Fragen Sie konkret, wer außer Ihrem Gesprächspartner mitentscheidet und bis wann eine Lösung stehen muss. Fassen Sie das Gespräch innerhalb von zwei Werktagen schriftlich zusammen und schlagen Sie den nächsten Schritt vor. Für die Neukundengewinnung über die erste Kontaktaufnahme hinaus finden Sie zwölf erprobte Ansätze und einen 90-Tage-Plan im Beitrag Neukundengewinnung im B2B: 12 Strategien, die funktionieren. Wer tiefer in den kalten Erstkontakt einsteigen will, liest Kaltakquise im B2B: Definition, Methoden und Praxis-Leitfaden.
Zusammenfassung
Kundenakquise im B2B ist die planvolle Gewinnung neuer Geschäftskunden vom ersten Kontakt bis zum Auftrag. Die Methoden ordnen sich nach aktiv und passiv sowie nach kalt und warm, und die besten Ergebnisse entstehen, wenn ein planbarer aktiver Kanal und ein vertrauensbildender passiver Kanal zusammenspielen. Die Strategie beginnt beim Ziel und beim Zielkundenprofil, führt über Nutzenargument, Kanalwahl und Zielkundenliste zu einem festen Rhythmus und endet bei der Auswertung. Ein Akquiseplan auf einer Seite rechnet vom Ziel rückwärts bis zu den wöchentlichen Kontaktversuchen. Rechtlich unterscheiden sich Deutschland, Österreich und die Schweiz vor allem bei Telefon und E-Mail, deshalb gehört die Prüfung der Rechtslage vor die Kanalwahl. Mit 50 Credits zum Start können Sie Ihre Zielkundenliste in LeadSuche aufbauen und prüfen, wie viele passende Firmen es in Ihrer Region gibt.
Häufige Fragen zum Thema
Eine allgemein beste Methode gibt es nicht. Wirksam ist, was zu Ihrer Zielgruppe, Ihrem Angebot und Ihren Ressourcen passt. Für erklärungsbedürftige Leistungen mit überschaubarer Zielgruppe funktioniert die direkte Ansprache am Telefon oder per Brief meist schneller, für breite Zielgruppen mit kleinem Auftragswert eher passive Kanäle wie Suchmaschinen und Fachinhalte.
Entscheidend ist weniger die Stundenzahl als die Regelmäßigkeit. Feste Blöcke, etwa zwei Vormittage pro Woche, bringen mehr als gelegentliche Aktionstage. Rechnen Sie von Ihrem Ziel rückwärts: Die Zahl der nötigen Kontaktversuche ergibt sich aus Ihren eigenen Quoten für Erreichbarkeit, Termine und Abschlüsse.
Das hängt vom Kanal und vom Land ab. In Deutschland sind Werbeanrufe bei Unternehmen mit mutmaßlicher Einwilligung möglich, Werbe-E-Mails brauchen grundsätzlich eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. In Österreich verlangt § 174 TKG 2021 für Anrufe und E-Mails eine vorherige Einwilligung, in der Schweiz sind Anrufe außer bei Sternvermerk oder fehlendem Verzeichniseintrag grundsätzlich möglich. Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Leadgenerierung erzeugt Kontakte, die Interesse gezeigt haben oder zur Zielgruppe passen. Kundenakquise umfasst den ganzen Weg bis zum ersten Auftrag, also auch Erstgespräch, Bedarfsanalyse, Angebot und Abschluss. Leadgenerierung ist damit ein Teil der Akquise, meist der erste.
Aus eigener Recherche auf Firmenwebsites, aus Branchenverzeichnissen, aus Handelsregistern für Namen und Rechtsform oder aus einer B2B-Datenbank. Wichtig ist, dass die Daten zur Zielgruppe passen, aktuell sind und aus einer nachvollziehbaren Quelle stammen, damit Sie Herkunft und Rechtsgrundlage belegen können.
Erst, wenn Sie genug Versuche für eine belastbare Aussage gesammelt haben. Wer nach zwanzig Anrufen aufgibt, misst den Zufall. Legen Sie vorab fest, nach wie vielen Kontakten Sie auswerten, und ändern Sie zuerst Zielgruppe, Botschaft oder Zeitpunkt, bevor Sie den ganzen Kanal verwerfen.